Hoerzu
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Sie war das erste Baby der deutschen Verleger-Legende Axel Springer: die Programmzeitschrift Hörzu. Fernsehen hatte ihr Erfinder damals nicht im Kopf. Wer überhaupt ein Radio besaß, konnte sich glücklich schätzen. Der Zweite Weltkrieg war erst seit einem Jahr vorbei, überall herrschte Not, Armut, Hunger. Aber auch Wiederaufbau, neue Hoffnung, Aufbruchsstimmung. In diesem Klima des Neubeginns befand Springer, die Menschen hätten Ablenkung nötig. Und erfand eine Zeitschrift, die das Rundfunkprogramm für die kommende Woche abdruckte. Die Lizenz dazu bekam er von der alliierten Besatzung ohne Probleme. Nur der Titel konnte die behördlichen Hindernisse nicht überwinden: Springers Idee, das Heft "Hört mit" zu nennen, wurde abgelehnt, da das zu sehr an die Kriegsfloskel "Feind hört mit" erinnerte. Kein Problem für den findigen Verleger, der den Namen seines neuen Babys kurzerhand umwandelte. 1946 lief die erste Hörzu vom Band - auch dieser Titel eine eindeutige Aufforderung, das Radio einzuschalten. Neben dem Radioprogramm enthielt die neue Zeitschrift alle Qualitäten einer unterhaltenden Illustrierten: Berichte über Stars wie Marlene Dietrich und Hans Albers, Folgeromane und die beliebten Mecki-Comics.
Was die Zeitschrift vor 61 Jahren zum Kioskrenner machte, charakterisiert sie heute noch: aktuelle Information und natürlich das Fernseh- und Radioprogramm. Die wöchentlich erscheinende Zeitschrift hat sich seit der Einführung des Fernsehens zum Ziel gesetzt, ihre Leser so bequem wie möglich zum Lieblingsfilm zu führen. Drum herum informieren interessante Reportagen, Ratgeber und Artikel zu diversen Themenbereichen wie Medien und Aktuelles oder Wissen und Lebensart. Das Titelthema darf dann auch mal ernsthaft sein: Berichte etwa zum deutschen Gesundheitssystem sollen den Leser anregen, über seinen gemütlichen Fernsehabend hinaus zu denken. Eine beliebte Rubrik ist "Die Goldene Kamera", die Nachrichten und Hintergründe aus der Welt der Fernsehstars liefert. Wer also das Fernsehprogramm studiert und für uninteressant befunden hat, kann sich dank seiner Programmzeitschrift trotzdem einen vergnüglichen Abend machen.
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